Natur - Wissenschaft - Transzendenz

An den Grenzen des Erkennens


Die Naturwissenschaften versuchen unsere Welt durch Experiment und Beobachtung zu erklären. Auf der Basis des kritisch-rationalen Denkens und der Erfolge der Wissenschaften wurde die Aufklärung möglich. Die Physik schien dabei einen der exaktesten Wege zu beschreiten. Gerade sie stößt aber nun an die Grenzen menschlichen Erkenntnisvermögens und damit an die Grenze von Sprache und Verständigung. Hans-Peter Dürr verdeutlicht daher viele der komplexen Zusammenhänge der modernen Physik mit Metaphern und Gleichnissen, verweist aber immer wieder auf deren notwendige Unzulänglichkeit. Nähert sich damit Wissenschaft wieder der Metaphysik und Spiritualität oder sogar der Mystik? Bedeutet dies ein Scheitern oder öffnen sich dadurch Wege und Räume, in denen sich Wissenschaft und Spiritualität begegnen und ergänzen? An den Grenzen des Erkennens geht es nicht mehr um allgemeingültige Wahrheiten, sondern um die Verständigung über Bilder und Konzepte, die wir von der Welt und von uns selbst entwerfen. Es geht darum, das Denken selbst zum Gegenstand kritischer Reflexion zu machen. Es geht um Gefühle und die mit ihnen assoziierten Handlungen und Verhaltensweisen der Menschen, die durch die Bilder ausgelöst werden, die die Wissenschaften, Religionen und Mythen entwerfen.
Könnte die Verbindung von wissenschaftlicher und spiritueller Erfahrung eine nachhaltige Weltdeutung als Basis menschlichen Denkens, Fühlens und Handelns entstehen lassen – und wie könnte sie gestaltet werden?
 
 
 

17. Oktober 2008, 19 Uhr – Vortrag

Natur – Wissenschaft –Transzendenz

Das Lebendige im Weltbild der modernen Physik

Referent: Prof. Dr. Hans-Peter Dürr, München
Raum: Hörsaal Rundbau der Universität Freiburg, Albertstr. 21a
Eintritt: 10,– €, ermäßigt 5,– € (Karten nur an der Abendkasse ab 18 Uhr)

Hans-Peter Dürr ist einer der profiliertesten Wissenschaftler unserer Zeit: 18 Jahre Mitarbeiter von Werner Heisenberg, langjähriger Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik in München. Gastprofessor in den USA und in Indien. Höchste internationale Auszeichnungen: Alternativer Nobelpreis (1987), Friedensnobelpreis (1995), Internationaler Wissenschaftler des Jahres (2002), Großes Verdienstkreuz (2004). Er war  Mitglied des Club of Rome und gründete das »Global Challenges Network«.
Dürr versteht es, das anscheinend Unbeschreibliche zu beschreiben und die hoch komplexen Theorien und Erkenntnisse der modernen Physik lebensnah darzustellen und so in einen Zusammenhang zu stellen, dass sich Physik und menschliches Leben, Naturwissenschaft und Transzendenz berühren. Er verbindet Welten und seine Kernaussagen haben weit über rein physikalisches Denken hinaus Bedeutung und eröffnen Perspektiven auch für gesellschaftliches und pädagogisches Handeln.
In den Workshops werden die von Hans-Peter Dürr aufgezeigten Aspekte aufgegriffen, weiter vertieft und geklärt. Auch werden ergänzende Themen angeschnitten und bearbeitet.

18. Oktober 2008  – Workshops

Ort: Institut für Psychologie der Universität Freiburg. Engelbergerstr. 41.

Teilnahmegebühr:  40,– € (Tagespreis, bitte geben Sie bei der Anmeldung Ihren Wunschworkshop aus  W1– W5 an. Die Vortragskarte können Sie mit bestellen).

9.30–10.00 Uhr - Meditation

10.00–12.00 Uhr - Gesamt-Workshop:  Spirituelle Elemente in den Naturwissenschaften.Prof. Dr. Hans-Peter Dürr

12.00–13.30 Uhr - Mittagspause (Zeit zur freien Verfügung)

13.30–15.30  Uhr - Parallelworkshops

 

W1: Aufbruch ins Offene. Skills, die beim Meditieren entdeckt werden können.

In der Meditation üben wir, dem „Strom der Jetzte“ wahrnehmend beizuwohnen. Wir lernen, das Formlose aber gestaltende Energiefeld in unserer Mitte zu ertragen (das Selbst) und nicht vor der Wahrnehmung unserer eigenen „Leere“ zu fliehen. Wir üben eine offene empfangende Geisteshaltung einzunehmen, die uns einen Aufbruch ins Unbekannte erst ermöglichet.

Töne und Musik können uns dabei unterstützen und geben Energie für die Innere Reise.

Grundlegende hilfreiche Meditationstechniken werden im Workshop vorgestellt.

Leitung: Dipl.-Psych. Katharina Martin
Musikalische Begleitung: Richard Alf.

 
 
 

W2: Naturwissenschaft des Unterrichtsgeschehens – oder:  Lassen sich aus den Erkenntnissen der modernen Physik/Naturwissenschaft Parallelen für die Unterrichtsgestaltung ziehen?

Während gegenwärtig die Pädagogik und die Pädagogische Psychologie noch damit beschäftigt sind, den Kognitivismus auf Grund von Erfahrung und neurobiologischen Erkenntnissen zu relativieren, so dass die Emotionen beim Lernprozess wieder gesehen und beachtet werden, legen das veränderte Wissenschafts- und Realitätsverständnis der modernen Physik ein viel radikaleres Umdenken nahe. Dies ist auch für die Pädagogik und die Psychologie bedeutsam, weil die Humanwissenschaften dazu neigen, ihre Vorstellungen und Modelle vom Menschen – oft ohne es bewusst zu reflektieren – aus den Naturwissenschaften ableiten.

Die Welt kann nur oberflächlich betrachtet in belebte und unbelebte Materie aufgeteilt oder als logisches Ineinandergreifen festgelegter (Natur)Gesetze erklärt werden. Die Welt entsteht auch nicht nur im Urknall neu, sondern in jedem Augenblick, und die Evolution des Menschen als Teil des Naturgeschehens ist davon nicht abzutrennen. Es handelt sich bei der Entwicklung der Welt um einen letztlich nicht vorhersehbaren Prozess mit unendlich vielen Freiheitsgraden, den Dürr mit dem „Chaospendel“ verdeutlicht.

Die Abfolge der unendlich vielen Entscheidungen mit unendlich vielen Freiheitsgraden gleicht nach Dürr weniger einem analytischen oder synthetischen Prozess, als vielmehr dem Erfinden eines Gedichtes. Niemand kann es vorhersagen oder berechnen. Abgesehen also von der Frage, warum unsere Kinder in den Wissenschaften so auf das klassisch-analytische Denken als Modell zum Verständnis ihrer selbst und der Welt festgelegt werden stellt sich die Frage, ob nicht auch unser eigenes Verständnis von Kindern, vom Lernen und vom Unterrichtsgeschehen hinterfragt werden muss.

In dem Workshop geht es darum, vorherrschende (Modell-)Vorstellungen von der Wahrnehmung, vom wissenschaftlichen Arbeiten, der Realität, aber auch vom Menschen, von Schülern, dem Unterrichtsgeschehen und Lernen zu überprüfen, mögliche Konsequenzen zusammenzustellen und ihre Realisierungsmöglichkeiten auszuloten. Ziel ist die Annäherung an ein Menschen- und Weltverständnis, das  mit Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaft kompatibel ist und als Grundlage von Unterricht dienen kann.


Leitung: Prof. Dr. Wolfgang Roth
 

 

W3: Kann leider nicht stattfinden.

 
 

W4: "Grenzüberschreitungen – von Scham und Beschämung zu einer Pädagogik der Anerkennung".

Scham ist eine Emotion, die eng in Verbindung  mit Grenzen setzen,  überschreiten, akzeptieren steht. Gesunde Scham hat die Aufgabe, die Grenzen des Selbst zu schützen. Pathologische oder traumatische Scham hat ihren Ursprung in der Ablehnung durch eine bedeutende Bezugsperson, etwa weil das Kind gesetzte Normen nicht erfüllt und ist häufig mit Ausgrenzung verbunden. Dem Gefühl der Scham und dem Erleben der Ausgrenzung gegenüber steht das Bedürfnis nach Anerkennung und der Wunsch akzeptiert zu werden.

Im Schulalltag ist für viele Schülerinnen und Schüler die Angst allgegenwärtig, sich vor anderen zu blamieren oder dem Gespött der anderen ausgesetzt zu werden. Die Angst nicht zu genügen und zu scheitern sind oft ständige Begleiter. Der Umgang mit Fehlern und Kritik, die Entwicklung eines Selbstwertgefühls sind wesentliche Erziehungsziele. Das Lernen kann durch Scham bzw. Beschämungen blockiert werden - oder es kann durch eine Pädagogik der Anerkennung ein förderliches Lern- und Wachstumsklima geschaffen werden.

Deshalb ist es geradezu unumgänglich für diejenigen, die mit Menschen arbeiten besonders aber im pädagogischen und sozialen Bereich, sich mit der Bedeutung von Scham auseinanderzusetzen. In diesem Workshop möchten wir grundsätzliche Informationen über diese sehr schmerzhafte, oft „übersehene“ Emotion vermitteln, zur Auseinandersetzung mit eigenen Erfahrungen ermutigen und im Gespräch mit den Teilnehmenden, Wege zu einer wertschätzenden Pädagogik aufzeigen.

Dr. Stephan Marks und Dr. Hildegard Wenzler-Cremer
 

 

W5: Sich mit dem Leben verabreden - Kultivierung der Lebendigkeit im Alltag.  

Im 13. Jahrhundert hat Dogen (Eihei Dōgen Kigen Zenji), der Begründer der größten Schule des Zen-Buddhismus in Japan eine der berühmtesten Anleitungen für die spirituelle Praxis geschrieben. In der Rahmengeschichte berichtet Dogen, wie er auf seiner Suche nach einem wahren Lehrer einem sehr bemerkenswerten älteren chinesischen Mönch begegnete. Sie kamen ins Gespräch und der suchende Meister war von der Weisheit und der Klarheit seiner Rede fasziniert. Zu seiner großen Überraschung  war dieser Mönch aber von seiner Gemeinschaft nicht mit Lehraufgaben, sondern mit dem Amt des Kochs betraut worden. In seiner kleinen Schrift  „Tenzo Kyokun“, den  knapp zwanzigseitigen „Anweisungen für den Koch“ beschreibt Dogen die Grundhaltungen und Praxis einer spirituellen Lebensweise, ganz konkrete alltägliche Handgriffe und Verrichtungen. Ausgehend vom Gespräch dieser beiden Meister, möchte ich in diesem Workshop mit Ihnen Möglichkeitsräume erkunden, wie wir uns „mit dem Leben verabreden“ (Trung Quang Nhat Hanh), wie wir im Alltag Inseln von Lebendigkeit schaffen: „Tag und Nacht, was immer euch begegnet, es ist euer Leben.“

Dr. Helmut Wetzel
 
 

15.30–16.00 Uhr - Gemeinsamer Abschluss

 
 

Kontakt / Anmeldung / Information

Um ein unkompliziertes Anmeldeverfahren anbieten zu können, bieten wir die Möglichkeit, formlos per E-Mail, Fax oder Telefon kurz den gewünschten Workshop (W1-W5) sowie Ihre Kontaktdaten anzugeben. Sie erhalten dann alle weitern Informationen von uns.

Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung e. V.
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